Der Tag danach

Gestern war Weltfrauentag. Und was wäre eine politisch engagierte, unternehmerisch denkende, gleichberechtigt in Beziehung lebende Bloggerin, wenn sie darüber nicht ein wenig sinieren würde.

[by the way bin ich draufgekommen, dass dies der erste Beitrag im neuen Jahr ist. Mensch, wie die Zeit vergeht….]

Ich war einmal ein junges Mädchen, das als Folge feministischer Erziehung, überzeugt davon war, dass mir alle Türen offenstehen. Dass sich die Frage nach gleichen Chancen, gleichem Gehalt, Gleichberechtigung, gar nicht stellen würde. Weil all das Selbstverständlichkeit im 21. Jahrhundert sein würde.

Und dann bin ich aufgewacht. Nach der Geburt meines Sohnes.

Ganz wie von selbst bin ich, als als Unternehmerin und Mutter die ja immer zu Hause war, in die Rolle gefallen auch hauptverantwortlich für Kind und Heim zu sein. Ja, es war meine Entscheidung mich selbstständig zu machen und ich habe diese Entscheidung bis heute nur selten bereut. Neben den vielen Vorteilen wie Flexibilität, Selbstbestimmung, Zeitersparnis durch kürzere Wege haben mich auch die Nachteile beschäftigt: Fehlende Trennung zwischen privat & beruflich, zwischen Haushalt & Büro. Wechselhaftes Einkommen und dadurch finanzielle Abhängigkeit vom Partner hat sich wie ein Giftpfeil in mein Fleisch gebohrt. Genau das wollte ich nie. Und immer wieder Situationen wo ich als Frau an meine Grenzen gestoßen bin, sei es bei der Teilhabe an politischen Netzwerken oder wenn ich mich für Jobs und Aufträge beworben habe und gleich zu Beginn mit der Frage „Was tun Sie wenn die Kinder krank sind?“ konfrontiert wurde…

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir, als ich nach Abschluss meiner Ayurveda-Ausbildung zum 30. Geburtstag eine 3 wöchige Reise nach Indien geschenkt bekam. Ein langjähriger Traum hat sich damit erfüllt. Ich war mit einer Freundin unterwegs, mein Mann hat mit Hilfe der Großfamilie die Kinder die damals 4 und 6 Jahre alt waren, versorgt. Was mir vor und nach der Reise an Reaktionen entgegen gekommen ist, hat mich erschüttert. Von vorwurfsschwangeren „Also ich könnte meine Kinder nicht so lang allein lassen“ anderer Kindergarten-Mütter bis hin zu Lobeshymnen, was für ein Glück ich nicht hätte so einen Mann zu haben, der sich unfassbare 3 (!) Wochen um seine Kinder kümmert!!!! Ja, eh schön. Ich bin ihm heute noch dankbar, dass er die Reise ermöglicht hat. Aber ernsthaft: wer lobt all die AlleinerzieherINNEN über den Klee, dafür dass sie sich tagein-tagaus um ihre Kinder kümmern? Oft unter finanziell sehr schwierigen Bedingungen und ohne soziales Netz. Das ist ja eine Selbstverständlichkeit!

Kurz vor der Indien-Reise habe ich begonnen Bio- und Umweltressourcenmanagement auf der BOKU zu studieren. Im 2. Semester gab es eine Pflichtvorlesung zum Thema Gender Mainstreaming. Die Lektorin hat mir leid getan. Gerade junge Frauen im Auditorium haben sie massiv verbal angegriffen und die Grundlagen gendergerechter Sprache zum völligen Humbug erklärt. Vielleicht hätte ich  mich bevor ich Mutter wurde auch so verhalten. Ich kann es nicht sagen. In den 1990er Jahren war das Thema Gender Mainstreaming noch nicht auf der täglichen Agenda. Heute polarisiert die Debatte über Binnen-I wie kaum eine andere neben der Flüchtlings-Thematik. Ich persönlich bin eine Verfechterin von Gender-gerechter Sprache –  Worte schaffen Bilder im Kopf. Bilder im Kopf schaffen Realität. Und wo in z.B. in Textbeispielen gängiger Mathematikbücher, wie sie noch zu meiner Schulzeit verwendet wurden, von Bürgermeistern, Feuerwehrmännern, Hausfrauen und Friseurinnen die Rede ist, brauchen wir uns nicht über stereotype Rollenbilder wundern. Der ORF hat gestern anläßlich des Weltfrauentages ein interessantes Experiment gewagt, und in alle Texten das generische Feminum verwendet. Also die männliche Form „mitgedacht“. Da tummelten sich  plötzlich Politkerinnen, Soldatinnen, Unternehmerinnen, aber auch Betrügerinnen & Räuberinnen. Was haben Sie für Bilder im Kopf?

Ich bin überzeugt, dass wir Frauen uns vielmehr gegenseitig unterstützen müssen, für unsere Rechte eintreten, selbstbewußt fordern, was uns zusteht. Ich gehe gerne als Beispiel voran und ich sage auch meiner Tochter, dass sie alles schaffen kann und für meinen Sohn ist es selbstverständlich, dass auch er die selben Pflichten im Haushalt hat, wie seine Schwester.

Das ist die Überleitung zu dem Neuen in meinem Blog. Meine Familie kocht gerne gemeinsam, auch wenn wir uns in der kleinen Küche zu viert doch einigermaßen im Wege stehen. Das macht es lustig und bis jetzt hat es noch keine gröberen Unfälle gegeben ;-). Gute Zutaten kaufen, gemeinsam Kochen und Gespräche beim Essen führen, ist für mich wesentlich, dass Wandel im Denken, Handeln und damit in der Welt passiert. Ich werde daher all meine Blog-Artikel mit Rezepten unter dem Motto #kochenfürdenwandel spicken. Kochen hat auch eine interessanten Gender-Aspekt: Spitzenköche sind weltweit bis auf wenige Ausnahmen Männer, in den Familien sind immer noch großteils Frauen für das täglich Brot verantwortlich. Daher teile ich heute mit Euch unser Lieblings-Abendessen, dass mein Lebensgefährte zur Zeit mit Begeisterung kocht. Für mich ist es wunderbar, wenn ich nach einem anstrengenden Arbeitstag spät nach Hause komme und mich der Duft nach Gewürzen und Gemüse empfängt. Das leichte Abendessen macht angenehm satt und fördert einen erholsamen Schlaf. Die Zutaten sind variabel – je nach Saison – damit wird die Gemüsepfanne abwechslungsreich und schmeckt immer wieder neu!

Martins Gemüsepfanne

Zutaten:

1 EL Ghee
1 kleine Zwiebel
1 EL Kurkuma
Pfeffer nach Geschmack
1 EL Kräutermischung z.B. Gute Laune von Sonnentor
Gemüse nach Saison z.B. Mangold, Süßkartoffel, Erdäpfel, Karotten, Fenchel, rote Rüben, China-Kohl, Kürbis, Brokkoli
Saft von 1/2 Zitrone
2 EL Agavendicksaft
Kräutersalz nach Geschmack
Majoran-Würzöl zum Verfeinern

Dazu passt Sauerrahm verrührt mit etwas Kräutersalz, feinem Bockshornklee, Pfeffer und frischem Schnittlauch oder jetzt Bärlauch.

So geht’s:

  • Gemüse klein Würfeln oder in Streifen schneiden
  • Ghee in einem Topf erhitzen
  • Kurkuma, Pfeffer, Kräutermischung und kleingeschnittene Zwiebel kurz anrösten
  • Gemüsewürfel auch kurz mitrösten
  • Hitze reduzieren und auf kleiner Flamme unter gelegentlichem Rühren zugedeckt weich dünsten.
  • Nach 10 Minuten mit Zitronensaft und Agavendicksaft aufgießen
  • Salzen und weitere 5 Minuten dünsten
  • Mit Majoran-Würzöl verfeinern und mit Sauerrahm-Sauce servieren
  • Wer großen Hunger hat kann Reis oder Quinoa gekocht als Beilage dazu essen.

Gutes Gelingen und Bon Appetit!

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