Über Wahlerfolg und Frau-Sein in der Politik

IMG_7877_smallEine intensive Zeit hat ihren Tribut gefordert: ich liege mit Halsweh und müden Knochen auf der Couch, den Laptop auf der Schoß, und habe Zeit um zu reflektieren, was in den letzten Wochen so alles passiert ist:

Wirtschaftskammerwahlen

Seit meiner Wahl zur Landessprecherin haben diese Wahlen meinen Alltag mitbestimmt: monatelanges Suchen von KandidatInnen und UnterstützerInnen um überhaupt antreten zu können. Hunderte Formulare, Telefonate, Gespräche, Sitzungen…. Danach Unternehmensbesuche, Veranstaltungen und weiterhin viele Gespräche und Mails. Eine spannende, aufregende Zeit, die die Landesleitung (den Vorstand) der Grünen Wirtschaft Burgenland zu einem Team zusammengeschweißt hat. Wir waren großartig Franz Knipp, Verena Florian, Federica Hannel, Hans Panner – die Unterstützung des Bundesbüros (Beate Hemmelmayr, Timna Krenn, Bernhard Madlener) vom Büro der Grünen Burgenland war großartig, die KandidatInnen sind mit Einsatz dabei! Das ist ein Spirit, in dem es Freude macht, zu arbeiten.

Diese Freude haben die UnternehmerInnen wohl gespürt.Nach vielen Tages und Nachtstunden, die ich in der Wirtschaftskammer mit Zählen, Bezeugen, Warten verbracht habe, zeichnete sich am Freitag den 27. am späten Vormittag schon ab, dass sich all der Einsatz gelohnt hatte:

  • Die grüne Wirtschaft ist die einzige Fraktion, die bei geringerer Wahlbeteiligung einen Stimmenzuwachs von 202 auf 445 Stimmen verzeichnen konnte.
  • Das entspricht 5,1% der gültigen Stimmen, wenn man nur die Fachgruppen betrachtet, in denen wir angetreten sind, gar 9,1%.
  • Die Mandate konnten wir von 6 auf 24 gar vervierfachen.
  • In 3 Fachgruppen sind wir die zweitstärkste Fraktion.
  • Das Wahlziel – Einzug ins Wirtschaftsparlament – scheint erreicht.

Alle Ergebnisse und ein Bericht in der BVZ.
Für mich ist das Ergebnis ein Zeichen für grünen Aufwind, der sich hoffentlich bis zur Landtagswahl am 31.5. halten wird – ich bin als 3. auf der grünen Liste mit dabei – 7% der Stimmen braucht es, damit ich in den Landtag einziehen kann. Das wird doch zu schaffen sein!

Frau-Sein in der Politik

Charmant verpackter Sexismus, in einem Stil, der in anderen Bundesländern und Staaten schon lange nicht mehr geduldet wird, begleitet mich durch meine ersten Monate in der Politik. Mir fällt es schwer im Moment darauf zu reagieren, da hab ich noch etwas zu lernen. Für die Herren möchte ich hier klarzustellen:

  1. ich „behübsche“ keine Gremien mit meiner Anwesenheit.
  2. ich bin kein Einrichtungsgegenstand, der genüßlich von oben bis unten gemustert wird.
  3. ich empfinde es nicht als Kompliment, wenn man mir sagt, dass meine weibliche Anwesenheit erwünschter ist, als die meines Kollegen.
  4. Man(n) muss mir nicht penetrant den Vortritt lassen.
  5. ich bin kein kleines Mädchen, das Unsinn von sich gibt und altväterlich korrigiert werden muss.

Ich weiß, dass mich diese Klarstellungen weder für Frauen noch für Männer sympatischer macht – sei’s drum. Die Lektüre des Buches „Lean In“ von Facebook-Managerin Sheryl Sandberg hat mir für viele Muster, Verhaltensweisen und Reaktionen darauf die Augen geöffnet. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für Frauen UND Männer sein, damit sich zukünftig immer mehr Frauen politische Arbeit und Führungspositionen zutrauen und sie explizit dazu aufgefordert werden! Erst wenn wir nicht vereinzelte Exotinnen in männlich dominierten Lebensräumen sind, wird sich langsam etwas am Verhalten und an der Außensicht ändern. Es gilt anzuerkennen, dass Reduktion auf Äußerlichkeiten und Verniedlichung kein Kavaliersdelikt ist, sondern schlichtweg nicht tolerierbar: Frauen haben eine Meinung, finden intelligente Lösungen  und sprechen Dinge an, die gerne unter den Tisch gekehrt werden. In der burgenländischen Wirtschaftskammer sollte man sich schon mal daran gewöhnen…

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