Gelebte Gemeinwohl-Ökonomie

Mein Workshop bei der ATTAC Sommerakademie (Heimspiel in Eisenstadt) startete unter schlechten Ausgangsbedingungen. Der Zufall wollte es, das Christian Felber, Gründer von ATTAC und Mitbegründer und Gallionsfigur der Gemeinwohl-Ökonomie zur gleichen Zeit einen Workshop hielt, wie ich. Dennoch fanden 6 wackere Frauen und ein Mann zu mir.

In der Anfangsrunde nach den Vorkenntnissen und Erwartungen gefragt, schlug mir von Begeisterung bis großer Skepsis allerhand an Emotion entgegen. Ich war sehr angetan, wie tief einige der Teilnehmer.innen bereits in die Materie eingetaucht sind.

Das  Setting war als Theorie und einen Praxisteil geplant. Ich habe die Erwartungen und Befürchtungen aufgenommen und auf ein Flipchart gebannt, um später wieder darüber schauen zu können. Dann startete ich mit einer Prezi darüber, wo die Bewegung jetzt steht und präsentierte die 5 Burgenländischen Pionier-Unternehmen in einigen Worten. Der Wunsch war, nicht nur geschönte Informationen weiterzugeben, sondern auch Schwierigkeiten und Probleme anzusprechen. Das kam mir sehr entgegen – anders war es nicht geplant und wäre es nicht authentisch gewesen.

Wesentliche Punkte und Antworten auf skeptische Fragen waren:

  • die Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung ist noch nicht einmal 3 Jahre alt.
  • Es gilt Learning by Doing. Einfach mal anfangen, statt sich in Theorien festzubeißen.
  • viele Mitarbeitende tun das ehrenamtlich, so gut es eben geht.
  • Die Bilanz als Herzstück wird laufend weiterentwickelt – das Feedback der mutigen Pionier.innen ist wesentlich dafür.
  • Die Erstellung der Bilanz ist freiwillig, zeit und kostenintensiv. Ja, vielleicht nutzen manche Unternehmen den fertigen Bericht als „PR-Tool“. Das ist dann ihr Lohn dafür, sich für die Themen einzusetzen.
  • Der erste Bericht dient der Standortbestimmung eines Unternehmens/ einer Institution. Wie viel Bereitschaft zur wahrhaftigen Veränderung da ist, wird sich in den Folgejahren zeigen.

In der zweiten Runde verließen wir das schwüle Klassenzimmer und fanden einen Platz im stacheligen Gras unter einer Föhre. Wir gingen in einen Dialog – verlangsamte Kommunikation mit einem Sprechgegenstand – und vertieften die individuellen Erfahrungen, Ängste, Hoffnungen in Bezug auf Gemeinwohl-Ökonome im Sprechen von Herz zu Herz.

Uns bewegten Fragen wie, wer was wann beitragen kann und das Gefühl als Individuum zu wenig zu geben, bzw. ob es überhaupt möglich ist, Menschen die in der Abwehr sind zu einem gemeinwohl-orientierten System zu bewegen. Ob man nicht schon in der Schule beginnen müßte, Kinder auf dem Weg, mündige, mitfühlende und selbstbewußte Menschen zu werden zu begleite? Worin wir Sinn im Leben finden und ob das überhaupt wichtig ist? Wie schwierig und langwierig partizipative, demokratische Prozesse sein können…..

Ich brachte ich ein Beispiel aus folgendem sehenswerten Vortrag:

Sinngemäß: wenn ein Hund und eine Katze streiten, wer von ihnen beiden „richtiger“ sei, und er Hund die Katze überzeugen will, doch ein Hund zu werden. Und umgekehrt. Dann scheint uns das von vornherein lächerlich. Ein Hund ist ein Hund und eine Katze ist eine Katze. Wir Menschen versuchen jedoch ständig, uns gegenseitig oder uns selbst zu verändern.

Manches hat sich in dem Workshop geklärt, neue Ideen wurden initiiert und alle gingen müde aber mit gutem Gefühl aus der Runde.

Der geniale Abschlusssatz einer weisen Teilnehmerin: In meinen Garten scheißen die Katzen, in meinen Vorgarten die Hunde.

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